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Ortgeschichte in Kürze

Ortsgeschichte in Kürze
Straßdorf leitet seinen Namen wohl von der Römerstraße ab, die vom Kastell Schirenhof her über das Ramnest, die Kastell- und  Wallenstraße  nach Waldstetten und weiter über den Furtlepaß auf die Alb hinauf in Richtung Heidenheim führte. Man kann davon ausgehen, daß sich in Straßdorf, das im Umfeld des Kastells Schirenhof lag,  ein römisches Landgut (villa rustica) befand. Nach dem Abzug der Römer siedelten sich etwa ab dem 4. Jahrhundert die Alemannen in unserer Gegend an. Ihre ersten Hütten in Straßdorf  gruppierten sich halbkreisförmig in der schützenden Hanglage um den kleinen Dorfbach. Er entsprang einer Quelle unterhalb des heutigen Hochhauses und ist inzwischen verdolt. Später gerieten die Alemannen in den Einflußbereich der Franken und übernahmen von ihnen das Christentum.      
 
Erste urkundliche Erwähnung fand Straßdorf allerdings erst sehr viel später und zwar in einem Schlichtungsbrief des Klosters Lorch aus dem  Jahre 1269, in dem der Ortsgeistliche Dietrich, „Vizepfarrer zu Strasdorf“,  als Schiedsmann genannt wird. Schon vorher hatte sich Straßdorf von der Urpfarrei Lorch gelöst und bildete - lange vor Gmünd - eine eigene Pfarrei.
 
Im 12. und 13. Jahrhundert gehörte Straßdorf zum Herrschaftsgebiet der Staufer. Die jeweilige Ortsherrschaft wurde in ihrem Namen von Dienstmannen (Ministerialen) ausgeübt. Nach dem Ende der Staufer 1268  gingen deren Güter und Rechte auf diese Dienstmannen über. Sie bildeten als „Herren von Straßdorf“ das Ortsadelsgeschlecht. So siegelte im Jahre 1275 ein Arnold von Straßdorf eine Lorcher Vertragsurkunde. Die Herren von Straßdorf besaßen  im Westen des Ortskerns ein „festes Haus“. Nach mehrfachem Besitzerwechsel erwarb 1469 Ulrich von Hohenrechberg  das Gebäude. Es erhielt später durch verschiedene Umbauten ein herrschaftliches Aussehen und wurde so zum „Schlößle“.   Prominenteste Bewohner waren Ulrich III. von Hohenrechberg(+ 1572) und seine Gemahlin Anastasia geb. von Woellwart (+ 1596). Ihr gemeinsames prächtiges Grabmahl im Altarraum der alten Kirche belegt  die früheren engen Verbindungen der Rechberger mit Straßdorf.  Ebenfalls war mit dem Schlößle das Schloßgut verbunden, ein großer Hof, der erst 1920 aufgelöst wurde.
 
Die  Herren von Rechberg waren ab Mitte des 15. Jahrhunderts  das bestimmende Ortsadelsgeschlecht. Zusammen mit der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd - genauer einigen Klöster dieser Stadt, dem Spital und verschiedenen Patrizierfamilien - sowie dem Kloster Lorch bestimmten sie als Grund- und Kirchenherren, was in Straßdorf zu geschehen hatte. Streitigkeiten der verschiedenen Grundherren blieben nicht aus. In besonderen Verträgen (1523, 1534, 1538) versuchte man das nicht immer gutnachbarliche Verhältnis abzuklären.  
 
Eine Vermittlerrolle zwischen den Grundherren und den Dorfbewohnern kam den beiden Schultheißen zu. Es fungierten gleichzeitig ein  Rechbergischer Schultheiß  und ein Gmünder Schultheiß. Neben ihren Befugnissen in der Felderbewirtschaftung waren sie vor allem dafür verantwortlich, daß die Ablieferungen an die jeweiligen Grundherren ordnungsgemäß erfolgten und deren Anordnungen eingehalten wurden.
 
Im Sommer des Jahres 1579 äscherte ein verheerender Brand einen Großteil des Dorfes ein. Die Bevölkerung Straßdorfs litt auch unter Kriegen und Seuchen (Pest), ganz besonders im dreißigjährigen Krieg 1618-1648.
 
Als Folge der napoleonischen Umwälzungen in Europa  fiel der gmünderische Teil Straßdorfs, zusammen mit der Reichstadt, 1803 an Württemberg, der rechbergische Teil folgte 1806. Fortan bildete Straßdorf mit Metlangen, Reitprechts, Schönbronn, Hockenschue und Schirenhof eine eigene Gemeinde (Schultheißenbezirk) mit insgesamt 509 Einwohnern.
 
1823 baute die Gemeinde in der Ortsmitte ein stattliches Schul- und Rathaus. Das Gebäude wurde 1970 abgebrochen. Heute steht hier ein  Hochhaus.  
 
Von 1830 bis 1836 wurde als Landesbaumaßnahme die neue Straßenverbindung Gmünd - Süßen gebaut. Dadurch erhielt Straßdorf eine durchgehende Ortsdurchfahrt, die das Gesamtbild des Dorfes und die Verkehrsverhältnisse entscheidend veränderte. Zuvor hatten die Fuhrwerke wegen des tiefen Bacheinschnitts des Heuselbaches beim Gasthaus Adler  jahrhundertelang den Umweg über die Wallenstraße nehmen müssen. 
 
Der Ort war von Anfang an rein landwirtschaftlich geprägt. Bis etwa 1870 wurde sogar Hopfen angebaut. Von 1865 bis 1874 war Straßdorf Marktort für jährlich 3 Viehmärkte. Ende des 18. Jahrhunderts blühten dann zwei neue Nebenerwerbs-Handwerke auf: die Pfeifenmacher, die Masertabakspfeifen schnitzten und diese weit im Umkreis vertrieben, und die Goldschmiede. Diese schlossen sich an die alte Gmünder Hauptindustrie an, arbeiten jedoch teils auf eigene Rechnung und im eigenen Betrieb. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts und besonders in der schweren Zeit nach dem 1. Weltkrieg verrichteten Straßdorfer Frauen Perlstrickerei für Gmünder Betriebe in Heimarbeit. Frauen arbeiteten auch als Korsettnäherinnen im früheren zweiten Schulhaus neben der Krone. 
 
Bei der Volkszählung im Jahre 1875 hatte Straßdorf 1001 Einwohner.
 
Seit 1896 gibt es in Straßdorf Telefon. Der Adlerwirt hatte es bei sich einrichten lassen. Im Jahre 1900 folgte ein weiterer Anschluß beim Lammwirt. Die Gemeinde leistete beiden Wirten einen jährlichen Zuschuß. Dafür durften die Ortsbewohner die Telefone mitbenutzen. 1912 wurde dann bei der Postagentur im Hause Nägele eine öffentliche Fernsprechstelle installiert. In Metlangen gab es von 1912 an ein Telefon im Hause Xaver Frey. In Reitprechts wurde 1915 beim Hirschwirt Josef Bader ein Telefonbetrieb eingerichtet.
 
Erhebliche Verbesserungen für die Landwirtschaft  erbrachte die von 1904 - 1907  durchgeführte Feld- und Flurbereinigung.
 
Am 1. August 1911 gab es ein Großereignis, mit dem ein neues Zeitalter begann: die Eröffnung der Bahnlinie Gmünd - Wäschenbeuren. Ein Jahr später  wurde die Reststrecke bis Göppingen eingeweiht. 1907 war mit den Arbeiten begonnen worden. Rund 400 italienische Gastarbeiter hatten am Bau mitgewirkt.
 
Im Jahre 1912 erhielt Straßdorf elektrisches Licht. 1917 erfolgte der Anschluß an die Landeswasserversorgung.
 
Weil die Alte Kirche, deren früheste Teile bis 1100 zurückreichen,  zu klein geworden war, erbaute die Katholische Kirchengemeinde in den Jahren 1913 bis 1915 eine große neue Kirche an der Straße nach Rechberg. Straßdorf hatte damals rund 1400 Einwohner. Noch während der Bauzeit brach der 1. Weltkrieg aus. 56 junge Straßdorfer mußten dabei ihr Leben lassen. Als Folgen des Krieges kam es zu einer großen Teuerung und zum Zerfall der Währung. Es herrschte große Wohnungsnot.
 
Vor dem Bau der Neuen Kirche waren im Süden Straßdorfs das Bahnhofsgebäude (1911) und das Gasthaus „Bahnhof“ von Albert Scherrenbacher (1912) die einzigen Häuser. Erst Jahre später siedelten sich weitere Handwerksbetriebe an: Sägewerk Disam (1922), Schreinerei Herkommer und Schmied Bahmann (1924) sowie Wägner Abele (1926).
 
Im Schlößle, damals noch in rechbergischem Besitz, konnte 1921 eine Schwesternstation eingerichtet werden. Drei Schwestern von Untermarchtal wirkten hier viele Jahrzehnte segensreich für Straßdorf . Sie übernahmen den Krankendienst, den Handarbeitsunterricht in der Schule und die Kinderschule, die ebenfalls im Schlößle untergebracht war. Das gräfliche Haus überließ den Straßdorfern das Schlößle pachtfrei, erhielt dafür aber freies Jagdrecht. Wegen Schwesternmangel wurde die Station 1975 aufgelöst.
 
1924 trat Schultheiß Franz Xaver Bader nach 46 Dienstjahren in den Ruhestand. Wegen seiner großen Verdienste wurde ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen. Er starb 1934. Sein umstrittener Nachfolger Hugo Keicher war krankheitsbedingt nur kurze Zeit im Amt. 1927 wurde Max Beck zum Bürgermeister gewählt. Er wirkte 30 Jahre in schwieriger Zeit.
 
Auf die Notzeiten nach dem 1. Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise 1929  folgte ab 1933 die NS-Zeit. Der alte Gemeinderat wurde 1935 aufgelöst. Die neuen Gemeinderäte, von der NS-Kreisleitung bestimmt, hatten nur noch beratende Funktion. Der Bürgermeister schlug vor, entschied und gab seine Entscheidungen bekannt, wobei auch NS-Ortsgruppenleiter Hans Dangelmaier („Veita Hans“) ein Wort mitzureden hatte! 
 
Die 1933 von den Bauern gegründete Milchverwertungsgenossenschaft erstellte 1935 im Garten von Viktor Mühleisen das “Milchhäusle“.  Es war bis 1970 in Betrieb. Später entstand hier die Apotheke.
 
Am 16. September1935 wurde der letzte große Kamin der Ziegelei Allgöwer in der Froschlach an der Straße nach Gmünd gesprengt. Er war ein Wahrzeichen Straßdorfs. Der Betrieb der der Ziegelei war schon 1930 wegen Unrentabilität eingestellt worden. Heute steht auf einem Teil des Geländes ein Lebensmittelgroßmarkt.
 
Ebenfalls1935 wurde unterhalb des alten Rat- und Schulhauses das Spritzenhaus neu angebaut. Die oberen Räume wurden Diensträume der Parteijugend. Darunter wurden ein Raum für den Leichenwagen und ein Schlachtraum für Notschlachtungen eingerichtet.  Einig war man sich auch über den Neubau eines Rathauses gegenüber der neuen Kirche. Das Gebäude wurde 1938 eingeweiht. Die künstlerische Gestaltung des Eingangspfeilers war eine Gemeinschaftsarbeit  von Adolf Bidlingmaier, der aus Straßdorf stammte, und Albert Weitmann aus Aalen-Oberalfingen. Das Obergeschoß des Rathauses diente Bürgermeister Max Beck und seiner Familie als Dienstwohnung.   
 
1943 wurde Bürgermeister Max Beck zur Wehrmacht einberufen. Zum kommissarischen Bürgermeister wurde Bürgermeister Gruber, Rechberg, bestimmt. Sein Nachfolger wurde Anfang 1945 bis Kriegsende Oberlehrer Eugen Fraidel.
 
Der 2. Weltkrieg kostete 72 Straßdorfer Soldaten das Leben, weitere 17 blieben vermisst. In der Heimat waren die Kriegsjahre geprägt von Notzeiten, Sparappellen und Sparmaßnahmen. Lebensmittelkarten wurden eingeführt. Unter anderem bestand Verdunkelungszwang und es gab die Pflicht zur Kartoffelkäfersammlung. Ende 1944 begannen die Fliegerangriffe. Wenn die Alarmsirene heulte, suchten die Schulkinder Unterschlupf im Keller des Schulhauses und im gegenüberliegenden  Bräukeller des Kronenwirts. Auch der Keller im Schlößle diente als Schutzraum für die Nachbarschaft. Die Fliegerangriffe galten aber weniger dem Dorf. Die Jagdflieger beschossen die Züge, Lastwagen und teilweise auch die Fuhrwerke der Bauern auf den Feldern, auch Einzelpersonen auf den Feldern und Straßen wurden angegriffen. Hierbei starben zwei Frauen. Gegen Ende des Krieges kam es am Sonntag, den 22. April 1945 im südlichen Dorfteil zu Kampfhandlungen zwischen den vorrückenden Amerikanern und den zurückweichenden deutschen Soldaten. Drei deutsche und sechs amerikanische Soldaten kamen dabei ums Leben. Bei der Neuen Kirche starb ein 16jähriger „Werwolf“. Tags zuvor war an der Panzersperre beim Hirsch ein polnischer Landarbeiter von Deutschen erschossen worden. Schäden durch Artilleriegeschosse gab es am Stallgebäude des Gasthauses Scherrenbacher  - dort waren bereits seit Dezember 1944 zwei deutsche Flüchtlingsfamilien aus Bessarabien (Baron und Frick) einquartiert  -  sowie bei den Häusern Dangelmaier und Disam. Ansonsten blieb Straßdorf  von Zerstörungen weitgehendst verschont. Bis Mitte Oktober 1945 hielten sich in beschlagnahmten Gebäuden etwa 100 amerikanische Besatzungsangehörige im Dorf auf. Sie versuchten, ein normales Gemeindeleben aufzubauen. Schon Anfang Mai setzten sie Adolf Hägele sen. als kommissarischen Bürgermeister ein. Anfang 1946 wählte die Bevölkerung Alois Schill für zwei Jahre zum Bürgermeister. 
 
Schon während des Krieges zogen aus zerstörten deutschen Städten evakuierte Frauen und Kinder nach Straßdorf, etwa 50 Personen. Ab Ende 1945 und vor allem 1946 folgte dann der Zuzug von 400 bis 500 Heimatvertriebenen aus den deutschen Ostgebieten, den sogenannten „Ostflüchtlingen“. Ihre Unterbringung stellte die Verantwortlichen vor enorme Anforderungen. Die Neuankömmlinge mußten zunächst in den Häusern der Altbürger zwangseinquartiert werden. Dies verschärfte die
ohnehin schon herrschende Wohnungsnot und führte anfangs zu verständlichen Reibereien. Die neuen Bürger integrierten sich rasch in der Gemeinde und das Zusammenleben normalisierte sich, zumal sich nach und nach auch die Lebensverhältnisse im Nachkriegsdeutschland besserten.
 
Auf den Krieg folgten Besatzungszeit, Entnazifizierung und Jahre der Not. Nahrungsmittel, Kleidung, Schuhe und Wohnraum unterlagen  Bewirtschaftungsregeln. Mit der Währungsreform im Juni 1948 ging es dann deutlich aufwärts. Es gab wieder Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände. Man begann auch in Straßdorf wieder zu bauen, zu reparieren und neuen Wohnraum zu schaffen. Treibende Kraft  dabei war Max Beck, der am 22.08.1948 bei einer Wahlbeteiligung von 78 % mit sämtlichen gültigen Stimmen als Bürgermeister wiedergewählt worden war.
 
Im Jahre 1949 nahm die Fa. Jona (Josef Nagel) ihren Textilbetrieb südlich des Bahngeländes auf. 1951 konnte die Fa. May, Pressenbau, an der Bahnlinie östlich der Alemannenstraße angesiedelt werden. Auf der südlichen Seite der Bahn im Emerland wurden neue Wohnhäuser erstellt. In den Spatzenäckern und im Laawiesengebiet entstanden bis 1954 Nebenerwerbssiedlungen durch die Württ. Landsiedlung. Ein weiteres Baugebiet wurde im Spagen und Brühl erschlossen. Auf dem Friedhof war 1952 das erste Leichenhaus erstellt worden.
 
Durch den starken Bevölkerungszuwachs  wuchs auch der Bedarf an  Schulraum. Man entschloß sich zum Bau eines neuen Schulhauses im gemeindeeigenen Kappers Garten. Es wurde 1954 eingeweiht. Neben der Schule konnte zwei Jahre später eine neue Turn- und Gemeindehalle ihrer Bestimmung übergeben werden. Der Ausbau der Ortskanalisation wurde in Angriff genommen. Die Kath. Kirchengemeinde  baute 1958 zwischen Birkachstraße und Schlößle einen neuen Kindergarten sowie einen Versammlungsraum (Christkönigsheim).
 
Nach dem plötzlichen Herztod von Bürgermeister Max Beck im Jahre 1960 wurde Kurt Walheim aus Schramberg zu seinem Nachfolger gewählt. Er trieb die Entwicklung der Gemeinde zielstrebig weiter. Dazu gehörten weitere Baugebiete wie Haldenwiesen, Mitteläcker, Birkachstraße , Ramnest  sowie der Kanalisations- und Wasserleitungsbau in der Einhornstraße. 1964 wurde in der Halde die neue Kläranlage in Betrieb genommen, die man allerdings schon wieder1982 stilllegte. An der Stelle der abgerissenen alten Schloßscheuer mit Farrenstall baute die Gemeinde 1966 ein neues Feuerwehrgerätehaus samt Bauhof und Notschlachtraum.
 
Zum 01.04.1968 wurde die Gemarkung Schirenhof  nach Schwäbisch Gmünd umgemeindet. Lange Verhandlungen mit der Stadt waren vorausgegangen.
 
Auf dem früheren Kleingarten- und Kleintierzüchtergelände an der Wallenstraße konnte nach zweijähriger Bauzeit am 19.07.1969 die neue Hauptschule bezogen werden. Sie erhielt den Namen „Römerschule“. Neuer Schulleiter wurde Otto Bader.
 
Straßdorfs Ortsmitte bekam zwischen 1970 und 1972 ein völlig neues Gesicht. Das alte Schul-und Rathaus, 1823 erbaut, wurde im Jahre 1970 abgebrochen, ebenso das angebaute Spritzenhaus und benachbarten Häuser Rathgeber, Kucher, Feifel und Krieg (Wäldle), also ein Großteil des alten Ortskerns. An ihrer Stelle wurde ein siebengeschossiges Hochhaus errichtet, ein Vorhaben das heftig umstritten war. Die Lammkreuzung wurde in diesem Zusammenhang neu ausgebaut. 
 
Nach 23-jähriger  segensreicher Arbeit in Straßdorf verabschiedete sich Pfarrer Gregor Forner in den Ruhestand. Nachfolger wurde Pfarrer Franz Hönle. 
 
Zum 1. April 1972 wurde Straßdorf im Zuge der Gemeindegebietsreform in die Stadt Schwäbisch Gmünd eingemeindet. Der Ort verlor damit seine Selbstständigkeit. Zuvor hatten sich die Bürger in einer Anhörung mit 852 gegen 561 Stimmen für diese einschneidende Veränderung ausgesprochen. Der Gemeinderat folgte dem Votum und beschloß mit 8 zu 5 Stimmen die Eingemeindung in die Stadt. Vorher schon waren bereits Herlikofen, Hussenhofen, Bargau, Degenfeld, Weiler i.d.B. Lindach und Großdeinbach nach Gmünd eingegliedert worden. Rechberg folgte 1975. Bürgermeister Kurt Walheim, ein Verfechter der Selbstständigkeit Straßdorfs, trat Ende März 1972 zurück. Ursprünglich hatten die drei Gemeinden Straßdorf,  Rechberg und Waldstetten eine Verwaltungsgemeinschaft angestrebt. Diese kam jedoch nicht zustande.  
 
Seit der Eingemeindung untersteht Straßdorf verwaltungsmäßig der Stadt Gmünd. Im Gemeinderat der Stadt sind 3 Straßdorfer als Stadträte vertreten. Ein besonderes kommunales Mitspracherecht kommt dem Straßdorfer Ortschaftsrat zu, aus dessen Mitte der Ortsvorsteher gewählt wird. Erster Ortsvorsteher war Otto Stadelmaier. Seine Nachfolger waren Bethold Nußbaum, Dr. Harald Steiner und Werner Nußbaum. Das bisherige Rathaus wurde zum Bezirksamt, in dem die Bürger weiterhin ihre wichtigsten behördlichen Angelegenheiten erledigen können.
 
Im Juni 1972 wurde das neue Sportgelände bei der Römerschule eingeweiht. Vom 30.06. bis 03.07. richtete die hiesige Feuerwehr das 18. Kreisfeuerwehrfest aus. Das Festzelt stand im Lakner`schen Garten (Battlesbauer). Es gab einen großen Festzug durch das Dorf. Zum Unterhaltungsprogramm gehörte auch eine  Kälblesjägerprüfung für Prominente. Ortskommandant war damals Viktor Maier.
 
Am 09. Juli 1972 feierte Werner Nidetzki in Straßdorf Primiz.
 
Als Folge der Eingemeindung mußte der Ortschaftsrat 1973 zahlreiche Straßennamen umbenennen, um Doppelbezeichnungen innerhalb der Stadt zu vermeiden.
 
Die Kath. Kirchengemeinde baute 1974 in der Kastellstraße einen neuen Kindergarten und zwei Jahre später auf dem Friedhof eine neue Leichenhalle.
 
1976 sorgte ein Mordfall für landesweites Aufsehen. Horst Stürzer, ein deutscher Amateur-Spitzenboxer vom Boxclub Gmünd, erschoß seine Frau und anschließend sich selbst. Stürzer war einige Jahre vorher in Straßdorf zugezogen.
 
Im Norden Straßdorfs, östlich der Einhornstraße (ehemals Froschlach), entstanden - nach Abbruch des Tierheims -  ab Mitte der Siebzigerjahre mehrere Gewerbe- und Handelsbetriebe und neue Tennissportanlagen.  Angrenzend an die bereits vorhandenen Anlagen des Tennisvereins „Grünweiß“ im östlichen Teil erstellte die „Tennispark GmbH“ eine große, moderne Tennishalle. Bei der Eröffnung der Halle am 02.07.1977 gab Fußballnationaltorwart Sepp Maier Autogramme und sorgte mit zwei Tennismatches für Stimmung. Nach einem Eigentümerwechsel erfolgte  1990/91 der Umbau der Tennishalle zu einem Multi-Sportzentrum  („Ballhaus“) sowie zur Einrichtung eines Lebensmittelmarktes. Dieser expandierte in den folgenden Jahren weiter und erstreckt sich seit 2010 nach neuerlichen Umbauarbeiten auf das komplette Gebäude.
 
Im Süden des Dorfes wurde das bestehende Gewerbegebiet erweitert.  Im Osten entstand das große Wohnbaugebiet Weidenäcker. Am 26. Juni 1981 feierte man die Einweihung der Römersporthalle.
 
1982 erwarb Dr. Wendeberg das Schlößle von der Katholischen Kirchengemeinde. Er ließ das Gebäude grundlegend renovieren und richtete im Erdgeschoß eine Arztpraxis ein. Die beiden oberen Stockwerke bewohnt er mit seiner Familie.
 
Trotz massiver Proteste wurde das Klepperle 1984 von der Bundesbahn stillgelegt. Die letzte planmäßige Fahrt fand unter  großer Anteilnahme der Bevölkerung am 02.Juni statt. Am Bahnhof Straßdorf wurde nach Begrüßung durch Ortsvorsteher Berthold Nußbaum, der sich lange für den Erhalt der Bahn eingesetzt hatte, ein kleiner Schienenbus auf einem Sarg über den Bahnsteig getragen. 
 
Die Entwicklung Straßdorfs vom ehemaligen Bauerndorf zur Arbeiterwohngemeinde setzte sich weiter fort. 1985 gründeten 30 handels- und gewerbetreibende Betriebe einen Handels- und Gewerbeverein. Erster Vorsitzender war Albert Scherrenbacher, ihm folgten Eugen Stegmaier, Ortsvorsteher Berthold Nußbaum, erneut viele Jahre lang Albert Scherrenbacher und ab 2014 Ingo Mann. 
 
1985 erwirbt die Fa. Grau GmbH & Co., Werkzeug- und Formenbau, aus Lindach die Werksanlagen der Maschinenfabrik Müller-Weingarten (ehemals Fa. May, Pressenbau) und baut das Werk weiter aus. Mit rund 200 Mitarbeitern und einer Produktionsfläche von rund 7000 qm wurde sie zum größten Betrieb Straßdorfs.
 
Am 17.04.1988 freuten sich die evangelischen Christen über die Einweihung ihres neuen Gemeindezentrums „Mitte“ in den Weidenäckern.  
 
Rektor Otto Bader, Leiter der Römerschule,  wurde am 28.06.1988 in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger Roland Kienhöfer trat ein Jahr später am 21.09.1989 seinen Dienst an. 
 
Die Kath. Kirchengemeinde ließ von 1988 bis 1995 die Alte Kirche für rund 800 000 DM generalsanieren. Auch die Marienkapelle am Dorfeingang erfuhr von 1988 bis 1990 eine umfassende Renovierung für über 400 000 DM. Beide Maßnahmen wurden vom Landesdenkmalamt bezuschußt. 1992 legte die kath. Kirchengemeinde neben dem Schlößle einen Parkplatz für Friedhofsbesucher an.
 
An der Lammkreuzung wurde am 02.Oktober 1991 eine Vollbeampelung installiert.
 
Das zu klein gewordene Bezirksamt (Rathaus) wurde 1992 umgebaut. Durch die Verlegung des Sitzungssaales in das Obergeschoß, das früher als Dienstwohnung des Bürgermeisters gedient hatte, gewann man im Erdgeschoß weitere Büroräume und einen Sozialraum. Der Polizeiposten und der Notar erhielten im Obergeschoß verbesserte Raummöglichkeiten. 
 
Seit 1992 wird auf dem Rathausplatz vor dem Bezirksamt ein kleiner Wochenmarkt abgehalten, auf dem frisches Gemüse angeboten wird.
 
Der Ausbau des Metlanger Weges wurde 1992 in Angriff genommen und im Folgejahr zum Abschluß gebracht.
 
Im Januar 1993 trat im Ostalbkreis eine Neuorganisation der Müllentsorgung in Kraft. Die Pflicht zur Müllsortierung wurde eingeführt.
Straßdorf erhielt auch einen Grüncontainer für Gartenabfälle auf dem Parkplatz hinter der Römersporthalle.
 
Am 28.06.1993 wurde das neue Heimatbuch vorgestellt.
 
Mit einem Festgottesdienst in der Cyriakuskirche am 12.12.1993 wurde Pfarrer Alfons Häring als Nachfolger des bisherigen Ortsgeistlichen Pfarrer Franz Hönle in sein Amt eingeführt.
 
Im August 1994 erreichte die Einwohnerzahl Straßdorfs mit 3923 Einwohnern einen Rekordstand. Danach nahm sie, dem allgemeinen Trend folgend, stetig ab. Im Dezember 2010 betrug sie nur noch 3608. Inzwischen ist die Einwohnerzahl dank neuer Baugebiete wieder auf 3861 angestiegen (Stand 01. 02. 2017).  
 
In der Hasengasse in Reitprechts wurde 1995 der Kanal ausgewechselt. Im Anschluß daran wurde auch der Fahrbahnbereich neu gestaltet und eine neue Straßenbeleuchtung installiert.  
 
Nach langen Bemühungen konnte 1995 am Straßdorfer Schützenhaus
der Hochwasserschutz geschaffen und das  Abwasserproblem durch entsprechende bauliche Maßnahmen entschärft werden.
 
 
Ernst Plass
 
. . . wird fortgesetzt . . .
 
Quellen
Rudolf Weser, Straßdorf Chronik 1938
Josef Betz, Gemeindechronik, Mitteilungsblätter 1961 - 1966
Klaus Graf, Aus der Ortsgeschichte von Straßdorf, Einhorn-Jahrbuch 1982
Heimatbuch von 1993: Beiträge von Adolf Hägele und Bernhard Blessing
Gemeinderats- und Ortschaftsratsprotokolle
Remszeitung und Gmünder Tagespost
Mitteilungsblätter